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Zart besaitet - Selbstverständnis, Selbstachtung und Selbsthilfe für hochsensible Menschen

von Georg Parlow

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Besonderheiten

Hochempfindlich zu sein
ist ein Geschenk,
für mich selbst und für alle,
die ich berühre.

Eigenheiten in der sinnlichen Wahrnehmung

Hochempfindliche Menschen besitzen eine viel feinere und detailliertere Wahrnehmung. Dies bezieht sich nicht auf die objektive Leistung der Sinnesorgane, da es unter Hochsensiblen prozentuell genauso viele Seh- oder Hörschwache wie unter der Gesamtbevölkerung gibt. Die erhöhte Empfindlichkeit für Details und Feinheiten beruht einerseits auf schwächeren Filtern in der Wahrnehmung, doch andererseits auch auf einem erheblich empfindlicheren Nervensystem.

Die menschliche Wahrnehmung unterliegt ständig bestimmten Filtern, welche die Aufgabe haben, wichtige Reize von jenen zu trennen, die (zumindest im Moment) eher unwichtig scheinen. Würden wir ständig alle Eindrücke ungefiltert (das bedeutet, auf der gleichen Prioritätsstufe) ins Bewusstsein lassen, wären wir kaum noch in der Lage zu funktionieren. Die Farbe unseres Computerbildschirmes wäre ebenso wichtig wie der Text des Liedes im Radio, das Summen der Fliege am Fenster, die E-Mail von unserem Chef, der sanfte Druck des Hemdkragens oder des Hosengummis, und das Telefongespräch des Kollegen am Nebentisch. Um also aus all diesen Reizen den oder diejenigen herauszufiltern, die relevant scheinen, kommen, normalerweise ganz automatisch, Filter zum Einsatz.

Die Wahrnehmungs-Filter hochsensibler Personen scheinen wesentlich schwächer ausgebildet zu sein als die anderer Menschen. Während die nicht so Sensiblen Gewohntes oder Uninteressantes (Radio, Hintergrundlärm, Gespräche anderer, etc.) einfach "ausblenden", d. h. nicht mehr bewusst wahrnehmen, fällt dies uns hochsensiblen Menschen meist schwerer. Die schwache Filterung ist vor allem auch für die Möglichkeit der Überstimulation durch schwache Reize verantwortlich, wenn diese Reize entweder zugleich in großer Zahl auftreten (die Flut an Eindrücken in einem Einkaufszentrum kann hochempfindliche Personen schon an ihre Grenzen bringen), oder stetig über einen längeren Zeitraum hinweg (z.B. das Ticken einer Uhr, oder der klassische Fall des tropfenden Wasserhahnes, etc.).

Wahrnehmungs-Filter können oft durch gezielte Aufmerksamkeit umgangen werden. Warten beispielsweise ein hochempfindlicher und ein nicht hochempfindlicher Mensch zusammen in einem Auto mit geöffneten Fenstern an der Kreuzung auf das Freischalten der Ampel, während im Baum neben der Kreuzung eine Amsel ihr Abendlied trällert, so sind die Chancen sehr hoch, dass der eine die Amsel wahrnimmt, und der andere nicht. Weist man den nicht hochempfindlichen Autofahrer jedoch darauf hin ("Hör doch mal wie schön die Amsel singt.."), dann wird auch er das Gezwitscher registrieren.

Außer dieser schwächeren Filterung verfügen Hochempfindliche auch über ein gesteigertes Wahrnehmen von Nuancen. Die gesteigerte Wahrnehmung hochsensibler Menschen kann sich grundsätzlich auf alle inneren und äußeren Reize beziehen. Hochsensibilität kommt jedoch in endlos vielen Variationen vor, kaum zwei Menschen sind gleich. Die Bandbreite innerhalb der Gruppe hochsensibler Menschen ist groß, und deshalb wird sich kaum jemand in allen folgenden Punkten wiederfinden. Doch jeder Hochempfindliche wird sich in dem einen oder anderen Punkt deutlich erkennen.

© FESTLAND Verlag

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